SENSITIV 2

Quere Gedanken

Vintage-Mann mit Patina, 52, sucht neue Herausforderung

Vintage ist in Mode. Natürliche Patina gesucht. Zumindest in der Mode, Einrichtung und Autos. Also Dinge, die sich bewährt haben und sich dieses Bewährte, Zeitlose auch ansehen lässt. Was für Lederjacken, mechanische Uhren und VW Käfer gilt – warum einheitlich nicht auch für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen? Solche Vintage-Männer und Frauen sind auf dem Markt. Ohne künstlichen Shappy Chic. Mit dem herkömmlichen Mittel Wertschätzung zu pflegen.

In einem Druckerzeugnis war kürzlich mit fetter Schlagzeile «Kann jemand mal die Welt anhalten, ich will aussteigen, mir ist übel» zu lesen. Umtriebig wurde darin der Frage auf den Grund gegangen, wohin technologischer Fortschritt uns führt, inklusive Befürwortung von «gegen Google, Verdrängung und Tech-Herrschaft».
Es geht darin um die Sehnsucht nach einer Zeit, in der man sich verlässlich zu persönlichen Treffen verabredete, sich ohne die Vermittlungskünste von sozialen Medien verliebte.

Auch in Frustphasen wünschen wir uns oft «die gute alte Zeit» zurück. Dieses Sehnen nach dem Vergangen nennt man Nostalgie und ist keine neue Erscheinung. Die Kunst- und Kulturszene hat dieses Phänomen längst für sich entdeckt. Bomberjacken und Bikerstiefel, Schlaghosen und Bauchfrei-Tops – hatten wir schon, kommt bestimmt immer wieder.

Versuch einer wissenschaftlich fundierten Annäherung dieses Trends
Im amerikanischen Bürgerkrieg berichteten Ärzte zum ersten Mal von der Nostalgie. In seinem Buch «Die guten alten Zeiten» schreibt Autor Daniel Retting, dass es sich dabei um ein körperliches Leiden handle, das durch die Trennung von der Heimat so starke körperliche Beschwerden auslösen konnte, dass Gehirn und Organe versagten. Angeblich starben damals bis zu 58 Menschen an den Folgen der Nostalgie. Mit der einsetzenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert machte sich schliesslich ausgeprägte «Fortschrittsmüdigkeit» breit, die sich vorallem in neuen künstlerischen und zeitkritischen Bewegungen ausdrückte.

Ein vergleichbares kulturelles Weltbild zieht sich auch durch das 21. Jahrhundert. Hier wird das Thema «Vintage» seit Jahren als Gegentrend zum immer schnelleren und digitalisierten Leben verstanden. Anstelle von Mainstream-Mode global wachsender Textilketten werden wieder ganz bewusst alte – oder auf alt gemachte – Kleidungsstücke zum Trend erklärt.

Es geht wohl um die Sehnsucht nach einer Zeit, in der die Welt noch nicht multidimensional war und der Chef nach Feierabend nicht per Facebook Messenger Nachrichten schickte.

Dabei belegen Studien wie die des Deutschen Instituts für Wirtschaftsordnung von 2016, dass es den Menschen momentan besser geht, als je zuvor. Wieso hat man also mit Blick auf die Vergangenheit ständig das Gefühl, dass etwas Wichtiges verloren wurde?

In der Psychologie wird Nostalgie als rosige Vergangenheits-Verzerrung beschrieben. In Studien von Terence Mitchell dokumentierten Forscher, dass im Gehirn von Menschen Ereignisse grundsätzlich als positiver abspeichert werden, als sie tatsächlich waren. Das dient natürlich dem Selbstschutz, aber so geraten auch negative Erfahrungen in den Hintergrund und es entsteht ein verzerrtes Bild von der eigenen Vergangenheit. Hinzu kommt damit auch: Je älter wir werden, desto mehr «falsche» Erinnerungen speichern sich ab. Kurz gesagt: Man wird nostalgisch.

Wenn wir also heute von der guten alten Zeit sprechen, erinnern wir uns wirklich so daran. Egal was wirklich war. Und wer heute glaubt, das Leben vor der Digitalisierung sei viel entspannter gewesen, dann empfindet derjenige das auch tatsächlich so.

Was dabei jedoch ausgeblendet wurde: Wie unsagbar nervig es war, seinen Freunden bei Regen die Hausaufgaben vorbeizubringen, anstatt sie einfach kurz rüber zu mailen. Oder was für einen Stress es bedeutete, wenn die Bahn nicht fuhr und man seinem Date nicht kurz Bescheid sagen konnte, dass man sich verspätet. Und eben auch, wie sehr man sich freut, wenn der Typ aus dem USA-Austauschjahr einem plötzlich auf Facebook schreibt. Und wie unglaublich entspannt es ist, einfach alles zu googeln, anstatt ewig in riesigen Bibliotheken umher zu kramen.

Veränderungen und Fortschritte im Leben gab es schon immer. Nichts ist per Definition schlechter, nur weil es sich weiterentwickelt. Ganz korrekt betrachtet, ist unser Heute ja auch schon wieder fast ein Gestern. Und da gestern ja immer besser als morgen ist, macht das die Gegenwart gar nicht mehr so schlecht.

Und jetzt kommt die Generation 44plus ins Spiel. Die können analog und digital. Jede Sorgen-  und Lachfalte, jede Narbe und jedes weisse Haar ist echt. Gespeichert mit Erfahrungen. Guten und Schlechten. Sie sind das verbindende Elemente vom Gestern zum Heute. Diese Vintage-Frauen und Mannen bringen Stabilität, Sicherheit und Gelassenheit in die oft zu dynamischen Prozesse von heute. Sind loyal, souverän und behalten die Übersicht.

Damit die Generation 44plus in Zukunft vom Problem- zum Glücksfall wird, braucht es nur eine Zutat: Gegenseitige Wertschätzung. So lässt sich das Gute aus der Vergangenheit mit dem Guten aus der Gegenwart für eine bessere Zukunft kombinieren.

Autor:
Tom Mörker
, Senior Consultat bei cmp - Vintage-Mann, inspiriert durch einen Artikel in «Der Zeit» und dem eigenen Leben.  


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